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Gemeindebrief März - Mai 2012
Eingestellt am: 29.02.2012

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Briefe aus Kurio

Briefe aus dem Jahr 2005

Neues aus Kurio (Tansania)

     Das Projekt des Eine-Welt-Standes

 

Als am 5. September 2004 Pater Celestine aus Kurio in unserer Gemeinde zu Gast war, haben viele durch Erzählungen und Bilder etwas von seiner Arbeit und seinen Projekten erfahren. Inzwischen ist er seit einigen Monaten wieder dort und berichtet uns in seinen Briefen von den Entwicklungen vor Ort.

 

Am 27. Februar schrieb Pater Celestine von seiner Freude über den Kontakt nach Hamburg und lud herzlich ein, ihn in Kurio zu besuchen. Dann erzählt er von der Situation vor Ort: "Es ist Februar, und kein Regen ist gefallen. Gewöhnlich erwarten wir Regen von Dezember an. Aber in diesem Jahr hat es bis jetzt keinen Regen gegeben. Alles ist trocken. sogar das Wasserreservoir ist ausgetrocknet. Unsere Hoffnung, mit dem Bau der Gesundheitsstation beginnen zu können, schwindet. Die gesamte Dodoma-Region ist trocken. Die Menschen fangen jetzt an, Nahrung zu entbehren. Die Tiere vermissen ihr Futter. Wasser ist zu einem großen Problem geworden. Jetzt ist nur noch ein Monat für die Regenzeit nachgeblieben. Dieses ist ein Schrei aller in diesem Jahr. Wir beten zu Gott, unsere Not zu sehen und Regen zu schicken, um unser Leben zu retten."

 

Am 17. März schrieb er: "Es ist Ostern geworden, und damit ist auch die Hoffnung auf ein neues Leben für alle gekommen, die vertrauensvoll hoffen ... Es ist ein Ostergruß. Aber ich möchte Euch auch wissen lassen, dass wir in diesem Jahr eine sehr große Katastrophe erleben. Es hat nicht geregnet. Ganz besonders ist die gesamt Dodoma-Region ... während der Regenzeit ausgetrocknet. Es gibt kein Wasser für Mensch und Tier."

 

Und 4 Wochen später: "Manchmal denke ich - Warum soll ich an diesem trockenen Land leiden? Warum kann ich nicht an einen Ort gehen, der wie mein Heimatort ist, wo es viel Wasser gibt?  - Eure Karte gibt mir die Antwort auf diese Fragen. Nämlich, dass Christus für die Menschen leiden musste, dass durch sein Leiden die ganze Welt gerettet werden könnte. ... Ich danke Euch für die Karte, die mich an meine pastorale Arbeit  erinnert und mir Mut zum Weitermachen gibt."'

 

Inzwischen ist Regen gefallen, aber längst nicht genug. Die Spenden des Eine-Welt-Standes und anderer Projekte werden nun dazu benötigt, Nachrungsmittel zu beschaffen für die hungrigen Menschen, die auf den Regen warten. Und wir warten  und hoffen mit ihnen.

 

Aber es gibt auch gute Nachrichten, beispielsweise über fruchtbare Kontakte zum neuen Bischof in Dodoma: (Brief vom 22. Mai 2005):  "Vor drei Tagen war ich zu einem Treffen in Dodoma, das von unserem neuen Bischof abgehalten wurde. Er plant ein neues Programm für die Diözese. (...) Wir sind glücklich und erwarten eine gute Zusammenarbeit mit ihm in verschiedenen Entwicklungsbereich für die Menschen in der Dodoma-Region."

 

Die Ausgangslage ist jedoch schlecht (Brief vom 22. Mai 2005): "Was die Regenzeit betrifft, sind wir sehr überrascht, weil es nach der Vorhersage der Meteorologen in ganz Tansania gut regnen sollte. So versuchten alle, ihr Feld zum Pflanzen fertig vorbereitet zu haben. Aber das Gegenteil geschah. In vielen Gegenden, besonders in Zentraltansania, fiel überhaupt kein Regen. In manchen Gegenden regnete es einmal, in manchen zweimal und in manchen gar nicht. Dodoma und Singida sind die Gegenden, die am stärksten betroffen sind. Im März regnete es kräftig in vielen Gegenden Dodomas, aber nur für eine Woche. Das war für keine Feldfrucht genug. Darum möchte ich sagen, dass wir eine schlechte Verteilung des Regens hatten. Die hat in diesem Jahr zu einem großen Nahrungsmangel geführt. Für micht ist er ein ziemlich großes Problem: Weil mich die Leute kennen, erwarten sie von mir, dass ich etwas für sie tue. Sie sind wir Kinder, die sich immer auf ihre Eltern verlassen. Auch dann, wenn die Eltern nichts für ihre Kinder haben, bitten sie sie, ihnen etwas zu geben. Aus diesem Grund bin ich Euch tief dankbar, denn ohne Euch könnte nichts getan werden.

Außer dem Nachrungsproblem steht uns das Problem des Wassers bevor: In dem Reservoir ist nur noch sehr wenig Wasser geblieben. Bis zum nächsten Monat wird es ausgetrocknet sein. Das Problem ist, dass in diesem Jahr kein Wasser hineingekommen ist. Die Pumoe, die dem Dorf gehörte und die ich vor drei Jahren zum Wohle des Dorfes übernehmen musste, arbeitet noch, aber das Wasser wird zur Versorgung des gesamten Dorfes nicht ausreichen. Ich werde eine schwere Aufgabe übernehmen müssen, um die ganze Trockenzeit durchhalten zu können. Aber lasst uns auf das Gute hoffen und für die Lösung der Probleme beten, um nicht gleich alles scheitern zu lassen."

 

Die Spenden aus Hamburg verwendet Pater Celestine derzeit vor allem für die Bewirtschaftung eines Feldes in einem benachbarten Ort. Dort gelang es ihm, vier Morgen (16.000qm) Land zu bekommen, das von einem Bewässerungsprojekt der Organisation World Vision profitiert. (Brief vom 2. August)  "Glücklicherweise bekam ich ver Morgen, und ich habe angefangen, Kartoffeln darauf zu pflanzen. Ich denke, das wird helfen, Nahrung für die Missionsstation zu bekommen, und auch für die Menschen, die angefangen haben, Hilfe suchend zur Missionsstation zu kommen."

 

Am 20. August 2005 erzählte Pater Celestine von einem Besuch in seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Dort gab es eine gute Ernte: "Dieser Erfolg ist einem Nebenfluss des saisonabhängigen Flusses zu verdanken, der aus der Arusha-Region kommt. Es ist zweifellos wahr: Wasser ist Leben. Pater Daudi und seine Gemeinschaft haben in diesem Jahr genug Nahrungsmittel, aber sie können davon nichts verkaufen. Ich hatte gehofft, von ihm Nahrungsmittel zu einem reelen preis kaufen zu können. Aber vergebens, denn dafür ist nicht genug da." Währenddessen steigen die Preise für Nahrungsmittel in unerschwingliche Höhen, und neben der Hilfe durch die Caritas, die Mais in die trockenen Regionen brachte, setzt Pater Celestine seine Hoffnung in das Feld, das in der benachbarten Region (immerhin auch 25km entfernt) bewirtschafttet wird: " Es ist die einzige Gegend im Sandawe Land, die grün schimmter, und wo man Zeichen von leben sehen kann. Diejenigen, die dort schon angefangen haben, zu kultivieren und anzubauen, hauptsächlich Gemüse, ernten jetzt." Die Fotos, die er mitschickte, zeigen für europäische Augen tatsächlich nur einen grünen Schimmer ...

  

 

Briefe aus dem Jahr 2006

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 17. Januar 2006 (erhalten am 23. Januar 2006)

 

Diesen Brief schreibe ich aus Kurio. Pater John Bosco ist hier und will bald weg nach Dodoma. Ich möchte diese Gelegenheit ergreifen, um Euch für den langen Brief mit den vielen Informationen zu danken. Wie immer geben sie mir neue Kraft für meine tägliche Arbeit.

 

Zuerst möchte ich mich bei Euch für Eure Gebete und guten Wünsche bedanken, ganz besonders in dieser Trockenzeit, die jeden der Verzweiflung nahe bringt. Ich glaube, Ihr habt bestimmt aus den Tansania-Informationen erfahren, dass ganz Ostafrika von der Dürre betroffen ist. Der Staat hat auf die Gefahr, der bald jeder einzelne ausgesetzt sein wird, hingewiesen. Jetzt könnt Ihr Euch vorstellen, was sich hier in der Zentral-Region, Dodoma und Singida, abspielen wird, die im letzten Jahr gar keinen Regen hatte.

 

Dieses habe ich in Bezug auf Eure Bemerkung geschrieben, dass der Betrag, den Ihr uns für das Feld in Jogolo geschickt habt, wohl nicht ausgereicht habe. Der Meinung bin ich nicht, viel mehr müssen wir Euch und allen Menschen in Hamburg doch sehr dankbar sein, die es uns auf die eine oder die andere Weise ermöglicht haben, bis heute am Leben zu sein. Ich selbst weiß ja, wie viel Ihr für uns arbeitet, damit wir durch Euch etwas bekommen, worauf wir uns verlassen können. Ich denke manchmal, dass ohne Euch viele Menschen ihr Leben verloren hätten. Darum muss ich sicherstellen, jeden Cent, den ich von Euch bekomme, so zu verwenden, dass er allein dem Zweck dient. 

 

In Eurem Brief stellt Ihr ein paar Fragen, die das Feld in Jogolo betreffen.

Auf dem Feld von Jogolo habe ich, wie ich Euch neulich schrieb, Kartoffeln gepflanzt. Ja, die Kartoffeln sind gut geworden, und ich konnte auch etwas ernten. Aber das wurde zu einem Problem, war ein Tropfen auf den heißen Stein. Viele Leute haben sie gestohlen, und es war nicht leicht, sie davon abzubringen, wegen des Hungers. Aber ich habe etwas gelernt: Dass Menschen in dieser Gegend durch künstliche Bewässerung gerettet werden können. Was ich jetzt zu tun versuche, ist, den Regierungsbeauftragten zu veranlassen, die Leute aufzufordern, das ganze künstlich bewässerte Gebiet mit Kartoffeln und Reis zu bepflanzen. Ich bin froh, dass sogar die Regierung bekannt gegeben hat, dass Gebiete, wo es Wasser gibt, bepflanzt werden müssen und nicht nur auf die Regierung gewartet werden soll. Jeder muss für sein Leben kämpfen.

 

Eine Frage aus Eurem Brief betrifft die Entfernung von Kurio nach Jogolo. Es stimmt, sie ist sehr groß und sehr teuer. Aber trotz allem, einen anderen Weg gibt es nicht, nur denjenigen, dorthin zu gelangen, um unseres Lebens willen. – Was ich tue, ist , an bestimmten Tagen mit einer Gruppe Jugendlicher dort zu arbeiten. Gewöhnlich fahren wir montags per Bus nach Ovada, und dann gehen wir ein paar Kilometer zu Fuß nach Jogolo.  Dort bleiben und arbeiten wir drei Tage. Dann geht es zurück nach Ovada und dann per Bus nach Kurio. Ein paar der Jungen bleiben in Jogolo, um das Feld zu bewachen. So ist es billiger für mich als mit dem Auto, denn der Diesel ist sehr teuer. Ein Liter kosten 1050 tansanische Schillinge (1€ = 1363 tans. Schillinge). Das kann ich mir nicht leisten – noch nicht einmal die Fahrt nach Dodoma.  Ich fahre nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Sonst reise ich nicht. So ergreife ich diese Gelegenheit, Euch allen für das, was Ihr für uns getan habt und noch tut, zu danken. Besonderen Dank an Euch, denn ohne Euch würde uns niemand kennen. Darum bitte ich Euch herzlich, unseren Dank allen zu sagen, die zum Erhalt unseres Lebens beitragen und für unser Wohlergehen beten. Möge der allmächtige Gott alle segnen.

 

Außerdem möchte ich Euch wissen lassen, dass ich die 1000 €  für die Gemeinde erhalten habe, 802 € von AMÖPE für die Gesundheitsstation und 200 € für Emmanuela, die Spende nach Eurem Vortrag in der Jerusalem-Gemeinde. Im Namen aller sage ich herzlichen Dank. Und wir versichern Euch, sehr sorgfältig mit dem Geld umzugehen.

 

Auch habe ich Eurem Brief entnommen, dass Ihr Emmanuela deswegen schreiben wollt. Ich denke, dass wird der beste Weg sein, es ihr mitzuteilen. Und es kann sie auch dazu bringen, mehr für die Schule zu tun.

 

Ich habe vor, irgendwann nach Dodoma zu fahren, dann werde ich die Kontoauszüge von der Bank holen und sie Euch schicken.

 

Hamburg ist mein Zuhause geworden. Immer, wenn ich etwas aus Hamburg höre, fühle ich mich einbezogen.

 

[ …]

 

Ich kann nicht über alles in diesem Brief schreiben, weil ich ihn sehr schnell schreibe, damit Pater John Bosco ihn mit nach Dodoma nehmen kann, während ich zur Arbeit nach Jogolo aufbreche.

 

Aber ich kann meinen Brief nicht schließen, ohne der ganzen deutschen Familie meine herzlichen Grüße zu schicken. Ebenfalls Herrn Pastor Nissen, Pfarrer Thim,  Pastor Thoböll und alle, die mich kennen.

 

Alles Gute, bis zum nächsten Mal,

 

gez. Padre Celestine  (übersetzt von Helga Kießling)

 

 

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 27. Februar 2006 (erhalten am 9. März 2006)

Mit großer Freude teile ich Euch mit, dass ich Euren Brief vom 15. Februar 2006 erhalten habe. Am selben Tag war ich nach Dodoma gekommen, um nach Nahrungsmitteln zu sehen, mit denen die Regierung versucht, den Menschen zu helfen, indem sie sie billig verkauft. Aber jeder darf nur 5kg kaufen, weil es nicht genug gibt. Ich hatte nicht genug Zeit in Dodoma, weil es angefangen hat, zu regnen. Deshalb muss ich mich sehr bemühen, dafür zu sorgen, dass wir dieses Wasser vernünftig nutzen.

 

Es ist ganz ungewöhnlich, besonders in der Zentral-Region, dass der Regen gegen Ende Februar einsetzt, und jeder ist skeptisch, dass er nicht anhalten könnte. Aber ich sage ihnen, sie sollten es riskieren und Getreide anpflanzen, das schnell reif wird. Sogar die Regierung dringt darauf, obwohl jeder Zweifel hat.

 

Obwohl ich nicht genug Zeit hatte, ging ich doch zur Bank, um etwas über die Überweisung zu erfahren, die Ihr im Oktober letzten Jahres gemacht habt. Ich sprach mit dem Geschäftsführer und er zeigte mir, dass sie die nicht korrekt eingetragene Kontonummer nicht gestört hat.  Sie wussten,  dass sie falsch war. Das Geld ist richtig gutgeschrieben worden.

 

Ich habe versprochen, Euch den Kontoauszug zu schicken. Leider war ich zur falschen Zeit nach Dodoma gefahren, denn immer findet man am Ende des Monats lange Schlangen vor den Schaltern, Menschen, die auf ihr Geld warten. Das ist so, weil zu dieser Zeit die Arbeiter durch die Bank bezahlt werden.  So ist es sehr schwierig, anderes zu erledigen.  Es tut mir sehr leid, aber ich werde wieder nach Dodoma kommen und den Kontoauszug abholen, so dass Ihr ihn bis April haben könntet.

 

Zur Zeit schaffe ich es nicht, einen langen Brief zu schreiben. Ich habe zu viel zu tun und werde auch von vielen Menschen gestört. Ihr wisst ja, es ist schwierig, wenn man von vielen Menschen gekannt wird, besonders von solchen in Not. Es ist jetzt mehr als drei Jahre her, dass ich meine Mutter besuchte. Das liegt an der schweren Situation hier – ich bete zu Gott, dass er sie doch ändern möge –  ich werde nämlich sehr müde. Immer wieder danke ich Euch, denn ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Euch wäre. Viele Sandawe, die in diesem Land als geringgeachtete Menschen angesehen werden, könnten sogar gestorben sein.

 

Viele Grüße von Yohana, Najim, Roger, den Schwestern, und der ganzen Gemeinde von Kurio. Sie bitten Gott immer darum, Euch zu helfen bei allem, was Ihr tut.

 

Viele Grüße an Pastor Nissen, Pfarrer Thim, Pastor Thoböll, Frau Hansel, Frau Becker, und an alle, die mich kennen.

 

Hört Ihr etwas von Pastor Dr. Bergler und Pater Reginald?

 

Ich wünsche Euch eine segensreiche Fastenzeit, damit Christus in unseren Herzen auferstehen kann.

 

Ich werde bald wieder schreiben,

 

gez. Padre Celestine

 

 

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 20. März 2006 (erhalten am 1. April 2006)

 

Ich grüße Euch von Kurio,  wo jeder an Euch denkt und Euch alles Gute für Euer tägliches Leben wünscht.

 

Es ist Fastenzeit, die Zeit, in der jeder aufgerufen ist, sein Herz zu ändern, Gottes Wort zu hören, an andere zu denken und Gutes zu tun. Vor allem aber an Jesus zu denken, der sich entäußert hat, arm wurde und angesehen wurde als einer ohne jeden menschlichen Wert. So erlöste er die Menschen (Phil. 2,6ff)

 

Ich kam nach Dodoma zu einem Treffen mit unserem neuen Bischof. Ich schrieb Euch ja kürzlich, dass die Diözese einen neuen Bischof hat, ein Mann aus der Gegend von Moshi, vom Volk der Chagga. Er hat damit begonnen, die Diözese umzugestalten, indem er seine Priester versetzt. Viele Priester sind woanders hin versetzt worden: Zum Beispiel ist Pater Deo Masasi , von dem Ihr gehört habt (bisher Hilfsgeistlicher in Kurio) in die Gemeinde von Kinusi im Mpwapwa-Bezirk versetzt worden. Für ihn ist Pater Abel Mwenda als mein Hilfsgeistlicher nach Kurio gekommen.  Pater Deo Masasi ist der Gemeindepriester von Kinusi geworden. Pater John Bosco ist auch Gemeindepriester geworden, und zwar in einer neuen Gemeinde. Sie heißt Chipogoro-Gemeinde. Pater David ist zusammen mit Pater Donacian Francis in derselben Gemeinde (Kondoa) geblieben. Ich habe die vier erwähnt, weil Ihr sie kennt.

 

Zur Politik: Wir haben einen neuen Präsidenten, der der Revolutionspartei (CCM) angehört. Es ist Herr Jakoya Mrisho Kikwete. Zur Regierungszeit von Benjamin Mkapa war er Außenminister. Herr Eduard Lowas, der Minister für Wasser- und Viehwirtschaft war,  ist jetzt Premierminister geworden. Wir haben viele neue Leute im Kabinett, die viele Minister aus der Zeit von Präsident Mkapa ersetzt haben. Viele Tansaner glauben, dass Kikwete es besser als Mkapa machen könnte.

 

Dieser neue Präsident hat mit dem Problem des Wassermangels angefangen. Der hat sich über das ganze Land ausgebreitet. Und das lag an dem wenigen Regen.  Wegen dieses Problems muss das Land von vielen befreundeten Ländern Hilfe erbitten, um Menschen zu retten. Ein paar Länder, wie England, China usw., haben einiges an Nahrungsmitteln geschickt. Doch es ist schwierig, die Menschen zu erreichen.

 

Zum Regen: Von Ende Januar an bis jetzt ist in vielen Landesteilen Regen gefallen, aber nicht genug. Das zeigt, auch im kommenden Jahr wird es einen Nahrungsmangel geben. Ein weiteres großes Problem ist, dass es viele Menschen versäumt haben, auf ihren Feldern zu arbeiten. Weil sie zuhause nichts zu essen hatten, mussten sie woanders hingehen, um Nahrung zu finden.   Im Sandawe-Gebiet haben die meisten Menschen nichts, das sie verkaufen können, um Geld zum Kauf von Nahrungsmitteln zu bekommen. Darum müssen sie auf die Suche nach Arbeit gehen, um zu Nahrungsmitteln zu kommen. Für gewöhnlich regnet es in Dodoma drei bis vier Monate. In diesem Jahr hat es Ende Januar angefangen zu regnen, und wir wissen nicht, wie lange es regnen wird. Darum müssen wir in dieser Zeit hart arbeiten, um sicher zu sein, dass wir nicht verlieren.

 

Ein besonderer Dank an Euch für das Geld, das Ihr geschickt habt. Es hat Wundervolles bewirkt und wird ein großer Schritt zur Rettung für die Sandawe sein.

 

Ich ergreife diese Gelegenheit, um Euch zu berichten, was ich getan habe und was ich noch tue. Ich habe vor, eine Fläche von ca. 28ha mit Sorghum (eine Hirseart) zu bestellen. Es ist empfohlen worden, diese Getreideart hier in Zentraltansania anzubauen, weil sie Trockenheit aushält und auch nur 70 Tage bis zur Reife braucht. Dann ging ich,  um Lebensmittel von der Regierung zu kaufen, und Menschen zu bitten, auf dem Feld zu arbeiten, um zu Nahrung zu kommen. Aber ich sagte ihnen, nur nachmittags zu diesem Feld zu kommen, während sie morgens auf ihrem eigenen Feld arbeiten sollten. Das tat ich mit dem Gedanken, dass etwas für die Zukunft auf beiden Seiten getan werden könne. So fahre ich noch fort. Und ich finde, dass es sehr gut läuft, und dass wir für die kommende Zeit wenigstens etwas zu essen haben.

 

Aber wie könnten wir das ohne Euch tun? Die Regierung verteilt 3kg pro Kopf und pro Monat. Das reicht nicht einmal für eine Woche. Es ist unmöglich, allein davon abhängig zu sein, weil dann viele Menschen sterben müssten. So könnt Ihr sehen, was Ihr für die Menschen getan habt, die weit weg leben und von weither Hilfe bekommen. Ihr seid Samariter geworden, um das Leben der Sterbenden zu retten. Im Namen der Sandawe sage ich Euch vielen herzlichen Dank.

 

Der Regen hält an, und bis jetzt stehen die Felder gut. Aber wir brauchen noch bis Mai Regen, damit alles reif wird. Darum beten wir zu Gott, uns mehr Regen zu schenken. Wir brauchen ihn wirklich zum Leben. Unser Präsident  Jakoya Mrisho Kikwete hat jeden Gläubigen dazu aufgerufen, seinem Glauben entsprechend für das Volk zu beten, weil es scheint, dass sich viele Gegenden der Nation wegen der Trockenheit in Wüste verwandeln, die wiederum zum größten Teil durch die Armut verursacht wird.

 

Ihr könnt Euch vielleicht noch daran erinnern, dass Ihr, als Ihr nach Tansania kamt, auf der gesamten Strecke von Darressalam nach Kurio viele Säcke mit Holzkohle saht. Die Leute fällen Bäume, verbrennen sie und machen Holzkohle zum Verkauf. Ihr könnt im ganzen Land diese Säcke sehen. So könnt Ihr Euch vorstellen, wie viele Bäume täglich gefällt werden, ohne dass sie ersetzt werden. Es ist sehr schwer, die Menschen davon abzuhalten, denn dadurch bestreiten sie ihren Lebensunterhalt. Unser Präsident hat jeden dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen. Doch das wird wegen des Wassermangels nicht die Lösung sein. Viele haben Bäume gepflanzt, aber die sind gleich wieder eingegangen.

 

Ich denke immer daran, wie viel Ihr zum Leben der Tansaner beigetragen habt, direkt und indirekt. Dieses Jahr, in der Woche des Wassers, hat die Regierung beschlossen, ein Programm zum Bau kleiner Staudämme in den Dörfern zu starten, um Regenwasser zu gewinnen („to harvest rainwater“!). Sie sind gekommen, um zu sehen, was wir in Kurio gemacht haben. Dass wir einen kleinen Damm unter Benutzung einfachster Mittel gebaut haben, aber mit Erfolg. Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, durch Nachdenken und schwere Arbeit eine Situation zu ändern. Aber das wäre ohne Euch nicht möglich gewesen. Deshalb sage ich, dass sich Euer Beitrag über die ganze Nation ausgewirkt hat. Wir müssen für das, was Ihr getan habt und noch tut, dankbar sein. – Danke!

 

Ich bin wegen des Kontoauszugs von August bis November letzten Jahres zur Bank gegangen und schicke ihn mit diesem Brief.

 

Ich hoffe, dass es allen in Hamburg gut geht, Ihr alle auf Ostern wartet, dann wird Christus von den Toten auferstehen und der Welt neue Hoffnung bringen und jedem Erleuchtung in seinem täglichen Leben.

 

Möge das auch für uns hier so sein, die wir um unser Leben kämpfen, aber in der Hoffnung auf Gott. Viele Grüße an Euch von allen Freunden aus Kurio und anderswo

 

Alles Gute 

            Gez. Padre Celestine

 

 

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 26. April 2006 (erhalten am 15. Mai 2006)

 

Es hat ziemlich lange gedauert, bis ich wieder nach Dodoma fahren konnte, weil ich zu sehr in viel Verantwortung eingebunden war, ganz besonders für die Gläubigen in dieser Osterzeit. Endlich habe ich Zeit gefunden, nach Dodoma zu kommen. Dort fand ich Euren Brief mit den erfreulichen Neuigkeiten. Und sie geben der ganzen Familie neue Kraft. [ …] Aber nicht immer gibt es Glück und Sonnenschein, sondern manchmal erleben wir auch Mühsal und Dunkelheit im Leben. Das sollten wir wissen. Zwei Tage Traurigkeit, und dann die Auferstehung. Das ist das Geheimnis unseres Lebens. Aber wir sollten immer auf die große Freude am Ende hoffen.

 

Auch möchte ich diese Gelegenheit ergreifen, um Euch für Euren Brief und die Ermutigung zu danken.

 

Wie ich Euch in meinem letzten Brief mitteilte, fing es im Februar an zu regnen, etwas ganz Ungewöhnliches, besonders für Zentraltansania. Viele Menschen waren verzweifelt und taten nichts. Sie trauten der Regenzeit nicht. Bei denjenigen, die nicht verzweifelt waren, scheint das Getreide gut zu stehen. Aber wir sind nicht sicher, ob der Regen anhalten wird. Wir brauchen Regen bis Ende Mai, damit alles reif wird.

 

Ich habe versucht, die Menschen zu ermutigen, mit aller Kraft zu arbeiten. Ich habe es ihnen an meinem Beispiel gezeigt, und das sieht gut aus, so dass ich in diesem Jahr auf eine gute Ernte hoffen kann, sowohl in Kurio als auch in Jogolo.

 

Mein zweiter Dank gilt Eurer Einladung. Ich nehme sie mit großer Freude an, denn ich fühle mich wirklich müde, an Leib und Seele, nach einer langen, schwierigen Zeit.  Aber jetzt weiß ich noch nicht, wann ich kommen kann. Da wir einen neuen Bischof haben, müsst Ihr eine Einladung schreiben, die ich ihm bringen und mit ihm darüber sprechen kann.

 

Sander Steeman wird für zwei Monate wieder nach Kurio kommen, um seine Forschungsarbeit fortzusetzen. Er kommt diesen Monat (April) und bleibt bis Ende Juni. Damit schließt er seine Forschungen über die Sprache der Sandawe ab.

 

Ich habe Najim, Roger, Yohana, Daudi, Laureana und Emmanuela getroffen. Sie alle schicken Euch ihre innigen Grüße, ganz besonders für diese Osterzeit. Ich habe vor, im nächsten Monat meine Mutter zu besuchen. Sie wird immer älter.

 

Nun möchte ich meine tiefempfundenen Grüße Pastor Nissen und seiner Gemeinde schicken, der Jerusalemgemeinde, Pfarrer Thim und der St. Ansgar-Gemeinde, Pastor Thoböll und der Christ-König-Gemeinde, Frau Becker, Frau Hansel, Frau Gerke, Frau Döhler und allen Freunden in Hamburg,.

 

Alles Gute, bis demnächst

            gez. Padre Celestine

 

 

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 2. November 2006

(Erhalten am 5.12.2006)

 

Ich nutze diese Gelegenheit, um Euch mitzuteilen, dass meine Reise von Hamburg nach Kurio sehr gut verlaufen ist. Ihr wisst ja, dass am 16., als ich aufbrechen wollte, das Flugzeug nicht geflogen ist.

Ich flog pünktlich von Hamburg ab und kam in Dar es Salaam mit nur zehn Minuten Verspätung an. Dann besorgte ich mir einen Wagen zum T.E.C. und besorgte mir dort ein Zimmer für eine Nacht. Am nächsten Tag reiste ich per Bus nach Dodoma. Das war am Donnerstag. Und auch von Dodoma aus brauchte ich nicht mehr als einen Tag, um dann am Freitag in Kurio anzukommen.

Jeder ist glücklich, mich wieder bei sich zu sehen und auch von Euch zu hören. Wussten sie doch, dass ich für fast zwei Monate bei Euch war. Ich habe vielen von ihnen Eure herzlichen Grüße bestellt. Einige kamen extra, um mich zu sehen und etwas von Deutschland zu hören. Ihr wisst ja, dass Ihr einen besonderen Platz im Herzen der Menschen dieser Gegend habt.

Najim habe ich nicht gesehen. Er ist nach Muskat gereist. Dort bleibt er für drei Monate. Ich habe Sergio getroffen, Pater David und Emmanuela. Alle freuten sich, von Euch zu hören, und auch über die Geschenke, die Ihr ihnen durch mich geschickt habt.

Als ich in Dar es Salaam ankam, fiel etwas Regen. Der hielt bis Morogoro an, und dann wurde es in der ganzen Dodoma-Region bis nach Kurio schrecklich heiß und trocken. Aber dann, vor zwei Tagen, es war wie ein Mysterium, hatten wir einen Tag lang kräftigen Regen. Der hat die Atmosphäre ganz und gar verändert. Jetzt wissen wir aber nicht, ob es wieder regnen wird, oder ob es nur für diesen einen Tag war. Wir hoffen fürs Beste für dieses Jahr.

Wegen des Reservoirs war ich im Zweifel. Würde es wegen der Hitze Wasser verloren haben oder sogar ausgetrocknet sein? Aber bis jetzt ist noch etwas Wasser darin, so dass ich hoffe, es wird bis zur nächsten Saison reichen. Es ist wirklich ein Erfolg für die Menschen von

Kurio

Seitdem ich wieder in Kurio bin, versuche ich, alles wieder in Ordnung zu bringen, weil sich meine Bedenken, ob Pater Abel überhaupt im Stande sein werde, etwas für die Gemeinde zu tun, bestätigt haben. Wenn ich das erledigt habe, werde ich Euch wieder schreiben und Euch wissen lassen, was hier läuft.

Ich hoffe, es geht Euch allen gut, so wie es war, als ich abreiste, und ich wünsche Euch allen das Beste.

Herzliche Grüße an die ganze Familie und alle Freunde dort. Bis jetzt träume ich immer noch von Hamburg, das für mein Leben und das der Sandawe so bedeutungsvoll geworden ist.

Bis dann.

                                             Gez. Padre Celestine Lipambile

 

 

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 17. Dezember 2006

(Erhalten am 27.12.2006)

 

Ich danke Euch für das Päckchen mit den Weihnachtskarten, Gemeindebriefen und Zeitungsausschnitten, die mir zeigen, was in Hamburg passiert. Ich freue mich immer sehr, wenn ich Neuigkeiten aus Hamburg erfahre und weiß, was dort geschieht.

Ich schrieb Euch einen Brief, um Euch darüber zu informieren, dass ich gut in Kurio angekommen bin und auch, dass ich hier alles soweit in Ordnung vorfand. Aber ich weiß nicht, ob Ihr den Brief erhalten habt. Und jetzt in diesem Brief teile ich Euch mit, dass ich Euren Brief erhalten habe und auch die Überweisung, die Ihr für die Gemeinde Kurio gemacht habt und auch für Yohana. Sie hat das Motorrad bestellt und bekommt es vielleicht in ein oder zwei Monaten. Sie ist sehr dankbar dafür und will Euch einen Dankesbrief schreiben.

Das andere, das ich Euch mitteilen möchte, betrifft das Wetter hier in Tansania, oder vielmehr in ganz Ostafrika. Man kann es nicht glauben, dass es in ganz Ostafrika im Oktober anfing zu regnen und nun zu viel geworden ist. Jedes Fleckchen Erde ist nass, sogar in der Gegend, wo es sonst nie regnet, wie in Dodoma zum Beispiel. Viele Gegenden sind überflutet. Ihr könnt es Euch nicht vorstellen, dass es fast unmöglich geworden ist, von Kurio nach Kondoa zu gelangen oder von Kurio nach Dodoma.

Ich schreibe diesen Brief in Dodoma. Gestern bin ich hergekommen, um ein paar Einkäufe zu machen. Wegen des Regens, und weil die Straße auf vielen Abschnitten schwer zu passieren war, brauchte ich mehr als 17 Stunden für die Fahrt von Kurio nach Dodoma (150 km), und ich weiß nicht, wie es auf dem Rückweg nach Kurio werden wird. Jetzt regnet es schon mehr als eineinhalb Monate, und es gibt kein Anzeichen für ein Ende. Menschen haben ihren Besitz verloren, besonders diejenigen in Mwansa (am Südufer des Victoria-Sees), Singida (Zentraltansania), Shinyanga (südlich von Mwanza) etc. Die gleichen Schwierigkeiten gibt es auch in Kenia, Somalia und anderen Ländern. Jeder fragt sich voller Zweifel, was in diesem Jahr noch passieren mag. Bei diesem Regen kann nichts angepflanzt werden. Es ist eine Katastrophe, die, sollte sie länger anhalten, zu einem großen Nahrungsmangel führen wird. Wir beten um ein Nachlassen des Regens, damit wir nicht alles verlieren.

Dann möchte ich Euch von Emmanuela berichten, dass sie für die Realschule ausgewählt worden ist. Sie wird die Regina Mundi Girls’ Secondary School besuchen, die sich in Mahenge bei Morogoro befindet. Es ist eine Internatsschule und eine der besten in Tansania. Emma freut sich über diese Chance, denn viele Schülerinnen hätten sie gern gehabt. Sie hatten aber keinen Erfolg.

Ich schicke Euch die Formulare, aus denen die Schulgebühren hervorgehen, und auch die Schulleiterin genannt wird. Die Schule beginnt am 12.1.2007. So muss sie sich spätestens am 10.1.2007 dort melden.

Ich freue mich darüber, dass die Jerusalem-Gemeinde bestehen bleibt. Abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten. Das Gute ist, dass sie fortbesteht. Dafür beten wir alle. Und Gott wird den Weg zeigen.

Hier in Kurio erinnern sich viele Menschen an Euch. Und sie beten immer für Euch.

Najim ist in Muskat. Dort macht er Urlaub. Irgendwann im Januar wird er wieder hier sein.

Claudia habe ich bis jetzt nicht getroffen. Darum weiß ich nicht, was mit ihr los ist. Vielleicht fahre ich Ende des Monats nach Kondoa, und dann könnte ich etwas von ihren Eltern erfahren. Sie wohnen dort.

Alles andere läuft gut. Sogar bei meiner Mutter. Das hörte ich von einem Priester, der in ihrer Nähe wohnt und sie fast täglich sieht. Es geht ihr gut, abgesehen von ihrem Alter.

Viele Grüße an alle dort. Allen wünsche ich das Beste, und möge der allmächtige Gott Euch alle segnen.

                                                                   Gez. Padre Celestine

 

Übersetzt von Helga Kießling.

 

Briefe aus dem Jahr 2007

Aus dem Brief von Padre Celestine vom 31. Januar 2007

(Erhalten am 6.2.2007)

 

Mit diesem kurzen Brief möchte ich Euch mitteilen, dass die Menschen von Kurio und ich das

Jahr 2007 mit außergewöhnlichem Regen begonnen haben, der mehr zerstörerisch als nützlich zu sein scheint.

Ende November letzten Jahres fing er an, und seitdem haben wir fast täglich starke Regenfälle. Man kann es nicht fassen, überall in der ganzen Gegend ist Wasser zu sehen, auch dort, wo es sonst immer trocken ist. Die Menschen fürchten sich vor Überschwemmungen, wie es sie in einigen Gebieten Ostafrikas schon gibt, und sogar auch in einigen Teilen Tansanias.

Dieser Regen hat die Felder und Straßen zerstört und hat alles teurer gemacht. So kostet die Fahrt von Kurio nach Dodoma (150 km) jetzt 5000 Shillingis (ca € 2,90), und von Kurio nach Kondoa muss man 7000 Shillingis (ca € 4,07) bezahlen, obwohl die Entfernung nur 60 km beträgt. Das liegt an der Beschaffenheit der Straße. So könnt Ihr Euch vorstellen, wie schwer es für die armen Menschen ist, die in dieser Gegend leben, besonders für die Frauen und Kinder, die immer die Opfer sind.

Bis zum heutigen Tage regnet es. So weiß ich nicht, was am Ende der Regenzeit sein wird.

Ich habe Euch mehrere Briefe geschrieben, und mit diesem möchte ich Euch bitten, mich wissen zu lassen, ob Ihr meinen Brief erhalten habt, in dem ich schrieb, dass Emmanuela in der Regina Mundi Girls’ Secondary School in Mahende angefangen hat.

Ich hoffe sehr, es geht Euch allen gut. Und damit viele Grüße an alle.

 

                                                                      Gez. Padre Celestine Lipambile

Briefe aus dem Jahr 2008

Neues aus Kurio – Briefe von Padre Celestine von September 2007 bis Februar 2008

 

„Zeit zu haben, das ist schwierig für mich geworden, sogar die Zeit, um nach Dodoma zu fahren, wie ich es früher gemacht habe. Ich fuhr wenigstens einmal im Monat nach Dodoma, wenn nicht sogar jede Woche, denn die Fahrt nach Dodoma gibt mir die Gelegenheit einer kurzen Ruhepause und auch zum Gedankenaustausch mit verschiedenen Leuten.“ So Padre Celestine im September 2007. Vieles ist vorzubereiten und zu planen: Das 100jährige Jubiläum der Kirchengemeinde Kurio im August 2008, bedacht in Ausschüssen und Erinnerungsarbeit, begleitet von Aktionen der Inneren Mission und Hausbesuchen. Und die große Kirche (erbaut 1941) soll gründlich renoviert werden. Daneben geht die Arbeit an der Gesundheitsstation weiter. Sie ist den Menschen ein großes Anliegen und soll eine Art „Jubiläumsgeschenk“ werden. Padre Celestine selbst hat auch etwas zu feiern: Sein fünfundzwanzigjähriges Priesterjubiläum: „Ich möchte Euch nur dieses als Erklärung vor Augen führen, warum ich nicht mehr reise und auch schreibfaul geworden bin.“

Seine Bitte um einen Hilfspriester ist bisher nicht erfüllt worden, und die Arbeit wächst ihm über den Kopf: „Ich bin müde, weil ich mich keinen Tag zu Hause ausruhen kann. […] Aber bis jetzt bin ich nicht krank. Und dafür danke ich Gott, denn er beschützt mich.“

Seine innere Erholung sind Gedanken an Hamburg: „Dort fühle ich mich immer befreit von den Lasten, die ich hier täglich trage.“

Im Brief vom 15. November 2007 berichtet Celestine von einem Besuch in der Hauptstadt Dodoma: „Und als ich zu meinem Postfach ging, fand ich dort Euren Brief. Ihr könnt Euch vorstellen, wie glücklich ich darüber war, denn immer, wenn ich einen Brief von Euch bekomme, fühle ich mich befreit von den Nöten, denen ich mich täglich gegenübersehe.“

Inzwischen hat ihm der Bischof einen Hilfspriester an die Seite gestellt. Das ermöglicht Freiräume für die Arbeit, aber auch für einen Besuch in Hamburg. Durch die Spenden aus Hamburg sind Renovierungsarbeiten an der Kirche und am Pfarrhaus möglich geworden – aber es geht sehr langsam vor sich.

Und dann gibt es noch eine Freude für Padre Celestine: „Ich heiße Pastor Nissen in Tansania willkommen. […] Ich bin glücklich darüber, dass er mich besuchen kann. Und ich werde es auch tun. […] Willkommen Pastor Nissen!“

 

Im Januar 2008 schickt Celestine Fotos vom Bau der Gesundheitsstation und berichtet von neuen Vorgaben der Regierung: Es sollen Realschulen gebaut werden, in jedem dritten Dorf, und zwar von den Dorfbewohnern selbst. „Das hat die Leute verrückt gemacht, besonders die Dorfvorsteher. Sie haben alles stehen und liegen lassen müssen, um diesen Plan der Regierung zu erfüllen.“ Das hemmt auch die Arbeit an der Gesundheitsstation, weil die Menschen mit dem Schulbau beschäftigt sind.  Deshalb hat Celestine einen Bauunternehmer beauftragt, der seine eigenen Leute mitbringt.  -  Im Februar berichtet Celestine vom einsetzenden Regen, der zwar das Wasserbecken füllt, aber auch die Straßen unpassierbar macht. Seine Reise nach Deutschland soll vom 1. September bis zum 31. Oktober dauern.

„Möge der gute Gott immer alle zusammenhalten, im Namen des Herrn, der zu uns kam, um eine Einheit aus uns zu machen.“

 

Übersetzt von Helga Kießling, zusammengefasst von Christoph Thoböll

Briefe aus dem Jahr 2009

Neues aus Kurio – Afrika in der Wirtschaftskrise

 

Pater Celestine kehrte im November 2008 von seinem Urlaub in Hamburg zurück:

„Nun bin ich wieder hier in Kurio und versuche im Hinblick auf die kurz bevorstehende Regenzeit zu überlegen und die Dinge zu organisieren. Das Leben ist ein Kampf. Der erfordert eine gute Organisation und sehr vorsichtiges  Handeln. Fehlt eine verantwortliche Person, dann laufen viele Dinge schief.“ Er feierte sein ganz persönliches Jubiläum – 25 Jahre Priesterweihe – in seinem Heimatdorf, denn „ich bin fast vier Jahre nicht dort gewesen. Meine Mutter war so glücklich, mich zu sehen …“

Anfang Januar war noch kein Regen gefallen – Pater Celestine war deshalb sehr besorgt. Und dann kommt monatelang kein Brief. Die Hamburger „Gasteltern“ Helga und Günther Kießling machten sich große Sorgen.  Anfang Mai kommt die Erklärung: „Ich habe ein paar Monate lang nicht geschrieben. Wisst Ihr warum? Ich lag ungefähr für ein und einen halben Monat wegen einer schweren Malaria im Bett. Seit Dezember letzten Jahres fühlte ich das Fieber, aber bis Februar d.J. ging ich nicht zum Krankenhaus. Dann aber wurde eine sehr schwere Malaria festgestellt, wegen der ich eineinhalb Monate im Krankenhaus bleiben musste. Glücklicherweise bin ich gesund geworden.Ich bin jetzt in Kurio, und es geht mir gut.“

 

Und die Finanzkrise? „Was die Finanzkrise betrifft, so scheint sie in Tansania und sogar in vielen afrikanischen Staaten weniger spürbar zu sein. Vielleicht in der Zukunft.“ So noch im November 2008. Im Mai 2009 „sind diejenigen, die eine direkte Verbindung zu den Industrieländern haben, voller Unruhe, und bezüglich ihrer Geschäfte schwindet ihre Hoffnung. Alle anderen fühlen das weniger, weil ihr Leben von der Natur abhängt. Sie sprechen von Regen und Dürre als dem Wichtigsten in ihrem Leben.“ Es hat wieder einmal zu wenig geregnet in der Regenzeit, und deshalb wird es wieder zu wenig Nahrungsmittel geben. Aber, so Celestine, „es gibt klare Anzeichen dafür, dass das Nahrungsproblem jetzt auch auf die Industrieländer zukommt. Das sollte als eine Herausforderung an die grundlegende Einstellung des Menschen verstanden werden. Sie ist die Ursache des Problems. Ich denke manchmal an die Schöpfungsgeschichte, als Gott alles erschuf und fand, dass alles gut war. Er schuf den Menschen nach seinem eigenen Bild und gab ihm Macht, über die Kreatur zu herrschen. Aber leider wurde das zur Quelle totaler Zerstörung. Keine Kreatur lebt in Frieden, wegen des Menschen. Und der Mensch selbst ist ruhelos geworden. Er kennt nicht einmal sich selbst. Er weiß nicht, wo er Ruhe finden kann. Er hat keine Hoffnung auf das, was die nahe Zukunft bringen wird. Wir laufen jetzt herum wie der biblische Kain, nachdem er seinen Bruder Abel getötet hatte. Wir haben versagt. Wir sind Gottes Plan nicht gefolgt. Wir müssen neu nachdenken und erkennen, dass Gottes Plan die Lösung für die Probleme der Welt ist.“

 

 

Übrigens, Anfang März 2009 fand eine Afrika-Konferenz des IWF in Dar-es-Salaam statt, in deren Rahmen der Präsident Tansanias sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, was geschehen wäre, hätte ein afrikanisches Land diese Krise verursacht. Der IWF hätte sofort mit allen möglichen Bedingungen, Drohungen und Messlatten reagiert, ganz anders als im Fall der USA, dem Land, in dem sie entstand.“ Der IWF behandle die EU und die USA mit Glacéhandschuhen, obwohl klar sei, dass die momentane Krise das Produkt finanziellen Missmanagements und der Disziplinlosigkeit dieser Regionen ist.